PRP-Eigenbluttherapie
PRP — plättchenreiches Plasma — ist eine regenerative Therapie, die körpereigene Wachstumsfaktoren aus Ihrem eigenen Blut für die Hautbehandlung nutzt. Die Idee ist überraschend simpel: Eine kleine Menge Blut wird abgenommen, in einem speziellen Verfahren aufbereitet, das die Thrombozyten (Blutplättchen) konzentriert — und das so gewonnene plättchenreiche Plasma wird gezielt in die Haut oder in die Kopfhaut injiziert. Die Wachstumsfaktoren stimulieren Reparatur- und Regenerationsprozesse über Wochen.
PRP ist eine etablierte Therapie mit guten Daten bei androgenetischem Haarausfall, mittlerer Datenlage bei Hautqualität und einzelnen Spezialindikationen. Diese Seite erklärt, wofür PRP wirkt — und wo eine ehrliche Beratung die Erwartungen einordnet.
Wie funktioniert PRP?
Plättchen sind die kleinsten zellulären Bestandteile des Blutes — bekannt für ihre Rolle bei der Blutgerinnung. Was sie für die regenerative Medizin interessant macht: Plättchen enthalten eine breite Palette an Wachstumsfaktoren (PDGF, VEGF, EGF, IGF, TGF-β u.a.), die bei aktiver Freisetzung verschiedene Reparatur- und Regenerations-Prozesse anstoßen.
Der Ablauf in der Praxis:
1. Eine Blutabnahme wie bei einer Routine-Blutuntersuchung (etwa 10–20 ml) 2. Zentrifugation in einem speziellen Röhrchen — die Plättchen werden vom restlichen Blut getrennt und in einem kleinen Volumen Plasma konzentriert 3. Das so gewonnene plättchenreiche Plasma wird mit feinen Nadeln in die Zielregion injiziert 4. Über die folgenden Wochen werden lokal Wachstumsfaktoren freigesetzt, die die Geweberegeneration stimulieren
Was PRP NICHT ist: kein „Blutdoping", kein Stammzell-Verfahren, kein körperfremdes Material. Es ist ausschließlich Ihr eigenes Blut, ohne Zusätze von tierischen oder körperfremden Substanzen.
Wann ist PRP sinnvoll?
Bei androgenetischem Haarausfall in frühen bis mittleren Stadien — die am besten dokumentierte Indikation. Frauen wie Männer mit erblich bedingtem Haarausfall, der noch nicht in eine vollständige Vernarbung übergegangen ist, profitieren am meisten.
Bei Hautqualitäts-Verschlechterung — feine Falten, Hautstrumpfung, fahler Teint, periorbitale Region. Hier ist die Datenlage solider als bei manchen aggressiven Anti-Aging-Versprechen suggerieren, aber weniger spektakulär als die Werbung vermuten lässt.
Bei Aknenarben und postentzündlichen Hautveränderungen — oft in Kombination mit Microneedling oder fraktionalem Laser, um die Wirkung der mechanischen oder thermischen Verletzung mit den Wachstumsfaktoren zu synergieren.
Bei lokal abgrenzbaren regenerativen Anliegen — bestimmte Narben, postchirurgische Heilungs-Unterstützung, einzelne Spezialindikationen.
Was nicht passt:
- Vollständig verlorenes Haar (vernarbende Alopezie ohne aktive Haarfollikel) — keine Wirkung mehr
- Tiefe statische Falten — andere Verfahren wirksamer
- Akute Entzündungen oder Infektionen im Behandlungsbereich
- Bei Blutgerinnungsstörungen oder Antikoagulation
Welche Indikationen behandeln wir mit PRP?
Haarausfall (androgenetisch)
Die am besten dokumentierte Indikation. Bei Frauen wie Männern mit beginnendem oder mittelgradigem androgenetischem Haarausfall stimuliert PRP die Haarfollikel-Aktivität — Haare wachsen kräftiger nach, dünner gewordene Haare können sich teilweise erholen, der Verlust verlangsamt sich.
Voraussetzung: Aktive Haarfollikel müssen noch vorhanden sein. Wo bereits dauerhaft kein Haarwuchs mehr besteht (vernarbende Alopezie), kann PRP nicht regenerieren.
→ Mehr dazu auf der Haarausfall-Indikationsseite und Behandlung Kopfhaut- und Haarerkrankungen
Hautqualität und feine Falten
PRP-Injektionen ins Gesicht (oft in Kombination mit Microneedling) stimulieren die Kollagenproduktion. Die Wirkung baut sich über 2–3 Monate auf, bei Serien-Behandlung kumulativ.
→ Mehr dazu auf der Falten-Indikationsseite
Periorbitale Region (Augenpartie)
Eine spezialisierte Indikation. Die dünne Haut um die Augen reagiert oft gut auf PRP — feine Knitter-Linien und schlaffe Lidpartien können sich verbessern, ohne dass dort aggressivere Verfahren eingesetzt werden müssten.
Aknenarben und postentzündliche Veränderungen
Häufig in Kombination mit Microneedling oder fraktionalem Laser. Die mechanische oder thermische Verletzung erzeugt Reparatur-Signale, PRP liefert die Wachstumsfaktoren für die Reparatur-Logik.
→ Mehr zu Aknenarben in der Akne-Indikationsseite
Wie läuft eine PRP-Behandlung ab?
Beratungsgespräch
Wir prüfen, ob PRP für Ihre Indikation passt. Bei Haarausfall: Trichoskopie zur Beurteilung der Follikel-Aktivität. Bei Hautqualität: Bestandsaufnahme und Erwartungs-Klärung.
Vor der Behandlung
Bei einigen Patientinnen empfiehlt sich eine kurze Labor-Kontrolle (Blutbild, Gerinnungsparameter), wenn keine aktuellen Werte vorliegen. Reichlich trinken am Tag der Behandlung — gut hydratisiertes Blut ist einfacher zu zentrifugieren.
Blutabnahme
Aus der Armvene werden je nach Indikation 10–20 ml Blut entnommen — wie bei einer Routine-Blutuntersuchung.
Aufbereitung
Das Blut wird in einem speziellen Röhrchen zentrifugiert. Nach 5–10 Minuten Zentrifugation ist das plättchenreiche Plasma gewonnen — eine klare bis leicht gelbliche Flüssigkeit.
Injektion
Mit feinen Nadeln wird das Plasma in die Zielregion injiziert. Bei der Kopfhaut über das Behandlungsareal verteilt; im Gesicht in feine Mikroinjektionen oder kombiniert mit Microneedling. Behandlungsdauer 20–40 Minuten.
Sitzungs-Serie und Erhaltung
Eine Erstserie umfasst meist 3–4 Sitzungen im Abstand von 4–6 Wochen. Anschließend Erhaltungs-Sitzungen alle 6–12 Monate, je nach Indikation und individuellem Verlauf.
Was Sie realistisch erwarten können
PRP wirkt subtil und kumulativ. Anders als ein Filler oder Botox, die einen sichtbaren Sofort-Effekt erzeugen, baut PRP die Wirkung über Wochen auf — und sie wird über die Sitzungs-Serie deutlicher. Wer einen Sofort-Effekt sucht, ist hier nicht richtig.
Bei Haarausfall sind realistische Verbesserungen messbar. In Studien zeigen sich nach 3–4 Sitzungen oft eine Zunahme der Haardichte um 10–25 % und eine Verlangsamung des weiteren Verlusts. Patientinnen-Wahrnehmung deckt sich häufig mit den Studien-Daten — Vorher-Nachher-Fotos sind hier sehr nützlich.
Bei Hautqualität ist die Datenlage solide, aber weniger spektakulär als beworben. Verbesserungen der Hautstruktur, feinerer Glanz, allgemeine Hautqualität — in der Größenordnung „dezent, aber wahrnehmbar". Wer ein Lifting-ähnliches Ergebnis erwartet, sollte zu anderen Verfahren wechseln.
Die Wirkung hält nicht ewig. Erhaltungs-Sitzungen sind sinnvoll. Wer nach erfolgreicher Erstserie keine Auffrischung macht, sieht die Wirkung über 9–18 Monate allmählich verblassen.
Eine Garantie-freie Therapie. Bei einem kleinen Anteil der Patientinnen wirkt PRP weniger gut als erwartet — das ist möglich, weil die individuelle Plättchen-Konzentration und Reaktion variieren kann. Wir sprechen das vor Beginn an.
Was Sie vor und nach der Behandlung beachten sollten
Vor der Behandlung (eine Woche):
- Aspirin, Ibuprofen und andere NSAR möglichst vermeiden — sie hemmen die Plättchen-Aktivität (Paracetamol ist erlaubt)
- Bei regelmäßiger Einnahme von Blutverdünnern bitte vorab informieren
- Ausreichend trinken, ausgewogen ernähren — gut hydratisiertes Blut funktioniert besser
- Kein Alkohol 24 Stunden vorher
Vor der Behandlung (Tag des Termins):
- Ausreichend gefrühstückt (kein Nüchtern-Termin), gut hydriert
- Bei Kopfhaut-Behandlung: Haare sauber gewaschen
- Bei Gesichts-Behandlung: keine Make-up-Reste
Nach der Behandlung (24 Stunden):
- Kein Sport, keine Sauna
- Kein Alkohol
- Bei Kopfhaut: Haare 24 h nicht waschen
- Bei Gesicht: kein Make-up direkt auf den Injektionspunkten für 6 Stunden
In den Tagen danach:
- Leichte Druckempfindlichkeit oder kleine Hämatome sind normal
- Sanfte Pflege ohne aktive Wirkstoffe für 48 Stunden
- Sonnenschutz nicht vergessen
Kontraindikationen:
- Schwangerschaft und Stillzeit
- Aktive Hautinfektionen oder Wunden im Behandlungsbereich
- Blutgerinnungsstörungen
- Tumorerkrankungen in aktiver Phase
- Schwere Anämie
- Einnahme bestimmter Antikoagulantien
Was kostet eine PRP-Behandlung?
PRP ist in der Regel eine ästhetische oder regenerative Indikation — keine Kassenleistung, Honorar trägt die Patientin.
Honorar-Indikation: Die Kosten richten sich nach Indikation (Kopfhaut, Vollgesicht, periorbital, Narben), Anzahl der Sitzungen und Aufwand der Aufbereitung. Eine konkrete Honorar-Indikation erhalten Sie im Beratungsgespräch — nach Klärung der Indikation und der geplanten Sitzungs-Serie.
Was bei der Honorar-Wahrnehmung wichtig ist: Eine PRP-Therapie ist eine Serie, keine Einzelbehandlung. Wir besprechen vor Beginn die geplante Anzahl Sitzungen und das Gesamt-Honorar, damit Sie keine zusätzlichen Überraschungen bekommen.
→ Honorartransparenz und Erstattung → Wie das Wahlarzt-Modell funktioniert
Häufige Fragen
Ist PRP gefährlich? Nein, bei korrekter Anwendung sehr sicher. Es ist Ihr eigenes Blut — keine Allergie-Risiken, keine körperfremden Substanzen. Risiken beschränken sich auf injektions-typische Nebenwirkungen (Hämatome, leichte Schmerzen, sehr selten Infektionen).
Wie schmerzhaft ist die Behandlung? An der Kopfhaut spürbar, aber gut auszuhalten. Im Gesicht etwas weniger schmerzhaft. Wir können bei Bedarf eine Anästhesie-Creme vor der Behandlung auftragen.
Wann sehe ich Ergebnisse? Erste subjektive Wahrnehmung nach 4–8 Wochen, deutlichere Effekte nach 3–4 Sitzungen. Bei Haarausfall sind Vorher-Nachher-Fotos im 4-Monats-Abstand objektiv vergleichbar.
Wirkt PRP bei jedem? Bei den meisten ja, aber nicht bei allen gleich gut. Individuelle Plättchen-Konzentration und biologische Reaktion variieren. In Studien sprechen 70–85 % der Patientinnen klinisch relevant an.
Was ist der Unterschied zu Polynukleotiden / Biostimulatoren? Polynukleotide und Biostimulatoren sind körperfremde, aber gut verträgliche Substanzen mit eigenen Wirkmechanismen. PRP ist körpereigen — keiner ist „besser", die Auswahl hängt von Indikation und Patientin-Präferenz ab. Wir besprechen das im Beratungsgespräch.
Kann ich PRP mit anderen Behandlungen kombinieren? Ja, häufig sinnvoll. PRP plus Microneedling ist ein etablierter Kombinations-Plan für Hautqualität und Aknenarben. PRP plus Botox/Filler ist möglich, aber wir empfehlen meist getrennte Termine, um die Reaktionen klar zuzuordnen.
Hilft PRP bei vollständig kahlen Stellen? Nein. Wo der Haarfollikel dauerhaft inaktiv ist (vernarbende Alopezie, langjährige vollständige Glatze), kann PRP nicht regenerieren. PRP wirkt nur, wenn aktive Haarfollikel noch vorhanden sind.
Muss ich nüchtern kommen? Nein. Im Gegenteil: ein normales Frühstück und gute Hydration verbessern die Behandlungsqualität.
Was Sie aus diesem Artikel mitnehmen
PRP-Eigenbluttherapie nutzt körpereigene Wachstumsfaktoren aus Ihrem Blut für Hautregeneration und Haarwurzel-Stimulation. Beste Datenlage bei androgenetischem Haarausfall, solide bei Hautqualität, ergänzend bei Aknenarben. Die Wirkung baut sich über 3–4 Sitzungen auf, ist subtil und kumulativ — kein Sofort-Effekt. Erhaltungs-Sitzungen alle 6–12 Monate sinnvoll. Bei Haarausfall realistisch 10–25 % Dichte-Zunahme, bei Hautqualität dezent wahrnehmbare Verbesserung. PRP ist sehr sicher, weil es Ihr eigenes Blut ist — keine Allergie-Risiken, keine körperfremden Substanzen.
→ Indikation: Haarausfall · Indikation: Falten und Hautalterung · Indikation: Akne (Aknenarben)
→ Polynukleotide · Biostimulatoren · Microneedling · Behandlung Kopfhaut- und Haarerkrankungen
→ Übersicht der Behandlungen · Übersicht der Hautprobleme
Quellen und wissenschaftliche Grundlage
PRP — Wirkmechanismus und Aufbereitung
- Marx RE. Platelet-rich plasma (PRP): what is PRP and what is not PRP? Implant Dent. 2001;10(4):225-8.
- Andia I, Maffulli N. Platelet-rich plasma for muscle injury and tendinopathy. Sports Med Arthrosc Rev. 2013;21(4):191-8.
PRP bei androgenetischem Haarausfall
- Gentile P, Garcovich S. Systematic Review of Platelet-Rich Plasma Use in Androgenetic Alopecia Compared with Minoxidil, Finasteride, and Adult Stem Cell-Based Therapy. Int J Mol Sci. 2020;21(8):2702.
- Cervelli V, Garcovich S, Bielli A, et al. The effect of autologous activated platelet rich plasma (AA-PRP) injection on pattern hair loss: clinical and histomorphometric evaluation. Biomed Res Int. 2014;2014:760709.
- Alves R, Grimalt R. Randomized Placebo-Controlled, Double-Blind, Half-Head Study to Assess the Efficacy of Platelet-Rich Plasma on the Treatment of Androgenetic Alopecia. Dermatol Surg. 2016;42(4):491-7.
PRP bei Hautqualität und Photoaging
- Yuksel EP, Sahin G, Aydin F, et al. Evaluation of effects of platelet-rich plasma on human facial skin. J Cosmet Laser Ther. 2014;16(5):206-8.
- Mehryan P, Zartab H, Rajabi A, et al. Assessment of efficacy of platelet-rich plasma (PRP) on infraorbital dark circles and crow's feet wrinkles. J Cosmet Dermatol. 2014;13(1):72-8.
PRP bei Aknenarben
- Hesseler MJ, Shyam N. Platelet-rich plasma and its utility in the treatment of acne scars: A systematic review. J Am Acad Dermatol. 2019;80(6):1730-1745.
- Asif M, Kanodia S, Singh K. Combined autologous platelet-rich plasma with microneedling versus microneedling with distilled water in the treatment of atrophic acne scars. J Cosmet Dermatol. 2016;15(4):434-43.
Letzte Aktualisierung der Quellenprüfung: Mai 2026.